Sei mein November

 

Sei mein November
sage ich
zu dir –

in der weit aufgerissenen Tür
meines Herzens stehe ich
mit wehenden Locken –

und du,
November,
bist mein Sturm.

Rauschst mir
in waghalsigen Böen
durch die Herzkammern und
mit traumtrunkenen Lippen,
November,

dehnst du
das Rot des Abends lang
und flüsterst
mir Nebel zu.

In den herabstürzenden Nächten,
November,
küsst du mir den Schlaf
aus den Poren meiner Haut
bis der ergraute Morgen
ein Lied davon singt

Und du wirfst mich
in den Himmel
zu den Zugvögeln, November
und ich schlage
in deiner asphaltierten Stille
wieder auf

Unter den wilden Wolken
deines Schweigens
liege ich
noch unbegraben

und verstehe das Flüstern
des Nebels nicht

Vers um Vers –
für dich –
klebe ich auf
mein aufgeschürftes Herz,
November

Vers um Vers
über
das ausgeblichene Rot
deiner Abende.

 

 

 

 

*

*

*

*

beende mal meine Schreibblockade mit einer Liebeserklärung an den Monat November…

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Moment im Sirup

Damals

War die Zeit
unser süßer Sirup
Über die dampfenden heißen Tage
rann sie
Und zerging

Rann die gestapelten Tage in Frankreich hinab,
die wir gierig verschlangen:
ganze runde Siruppfannkuchen

Zwischen den honigfarbenen Stunden
Platzte der Himmel auf und ergoss
Eine Herde Eisschäfchen
Über die Erde
Die Glyzinie regnete uns ins Gesicht
Zwischen den wehenden Gardinen
im großen Flügelfenster
In dem wir standen
Du und Ich

Mit deinen Augen versuchte ich
Landschaft zu atmen

über uns der Dachvorsprung,
er winkte hunderte Schwalben heran

Rinne nicht mehr, Zeit
rief ich,
Halt an, Sirup

Dann
War es dein Wimpernschlag –
Das Zeichen für die Schwalben, zum Flug –

er war es,
der ihn fortwischte,
den Moment

Unter der Worthaut, mein schlagendes Herz

Tief unter die Worthaut

musst du mir gegangen sein.

Es war vielleicht
der stumme Gesang,

der heute
unter deinen Wimpern träumt…

Zu dir hin taumele ich
durch das Dickicht der Sprache,

in den Zweigen deines Atems
verfängt sich mein Herz –

das Wort,
es schlägt mir bis zum Hals!

Mein Streifzug entlang
der zerbrechlichen Silben,

an deinen Lippen
mündet er

in plötzlichem Wortstillstand.

Silbenflimmern –
Operation am offenen Wort

In meinen zittrigen Händen
halte ich
das bloße, pulsierende Wort –
lebendig ist es und warm

herzwärts
geht
sein kraftvoller Schlag

Erste Variante aus einer Übung – Impromptus über das Herz und das Wort,
– mit Körperlichen Begriffen verarbeitet. Da ich kürzlich ein paar Worte fand, in die ich gerade sehr verliebt bin, werden sie bald mehrfach auftauchen…

Treibholz der Nacht

Weit hinaus
Lassen wir uns treiben

Auf das offene Meer
unserer Sehnsucht.

Sind wir nicht
Treibholz der Nacht?

Die Sehnsucht trägt nicht,
Windzerwühlte Wellen
beugt sie schweratmend über uns.

Nur deine Stimme
trägt
Ihr anschmiegsames Lächeln
Hält mich
Über Wasser

Einen Anker
muss sie geworfen haben,
Deine Stimme,
In mein windzerzaustes Herz.

Der Wind treibt uns
Vor sich her und die Wolken

Bis sich unser Leben
Niederschlagen wird –
Sanft und warm –
Aus den Wolken.

Sprich nicht

Die Stille
Hinter unserer Sprache
Ist noch warm

Dein Blick –

Der Tau auf meinem Herzen –
Ich trinke ihn aus

Dein Blick

Wie möchte ich
Ihm in die Arme laufen und

ertrinken, dort

Sprich nicht.

Fiele ein Wort nur
von deinen Lippen,
es trüge uns von uns fort

und deinem Blick
Den ich halte

und halte

Jetzt

Lasse ich los

Und falle

falle

Hinein