Stundenherbst

Die reifen Tage
pflücken wir uns
von den Bäumen der Zeit –

für später.

Wenn von den Zweigen
die letzten welkenden Stunden
herabgeweht
aus den Pfützen schimmern,

Wenn die Bäume nurmehr
Krähen tragen
Und ihre Schreie,

Wenn die Sonne längst
gegangen ist
und das Stundenlaub
zusammengekehrt,

betrachten wir sie:
Stumm, unsere schrumpelnden Tage
der Erinnerung –
rotwangig glänzt noch
die Melodie ihres Traumes

Und unvermittelt fragst du
nach dem Frühling.

Stumm zeige ich dir
Die kleinen Kerne unserer Tage –

mitten im Stundenherbst
erkennst du

ihr ewiges Frühlingsversprechen.

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dieser Text läuft mir noch ab der Hälfte nicht ganz rund – seit 2 Tagen bastele ich daran herum und kann mich mit den Versionen nicht zufrieden geben… wer eine konstruktive Anregung hat, bitte heraus damit…😊

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Moment im Sirup

Damals

War die Zeit
unser süßer Sirup
Über die dampfenden heißen Tage
rann sie
Und zerging

Rann die gestapelten Tage in Frankreich hinab,
die wir gierig verschlangen:
ganze runde Siruppfannkuchen

Zwischen den honigfarbenen Stunden
Platzte der Himmel auf und ergoss
Eine Herde Eisschäfchen
Über die Erde
Die Glyzinie regnete uns ins Gesicht
Zwischen den wehenden Gardinen
im großen Flügelfenster
In dem wir standen
Du und Ich

Mit deinen Augen versuchte ich
Landschaft zu atmen

über uns der Dachvorsprung,
er winkte hunderte Schwalben heran

Rinne nicht mehr, Zeit
rief ich,
Halt an, Sirup

Dann
War es dein Wimpernschlag –
Das Zeichen für die Schwalben, zum Flug –

er war es,
der ihn fortwischte,
den Moment

Sommer II (2016)

sieh, Sommer
jetzt atmest du aus

durchbrach noch eben
deinen Himmel der Mohn,
die Kornblumen

umwuchs deines Zenites Herzschlag
ihr Rot,
ihr Blau

durchkämmte nicht
der aufkommende Südwind noch
das Weizengrün seidener Felder

dem kurzatmigen Grün des Weizen
nahm deine Sonne den Atem
ganz

Sag mir, Südwind, wohin?

wohin entschläft dir das Rot des Mohns

In deiner Stille weht der Tod
auch das Blau aus und
frisst sich satt am Grün

lau ist dein Trost und trocken
und leis,
Südwind
im Knistern sterbender Halme

das Reifen
kommt nicht aus
ohne des Wachstums Tod

See im November

Nicht aufzufüllen,
die Täler des Tages
mit deiner tropfenden rauchigen Stille,
Herbst

Nicht mit euch Wolken,
ihr träumenden Katzen –
tief in die Täler gekuschelt

Nicht durch deinen quecksilbernen Glanz, See,
in den mir das Herz aus den Händen entgleitet
bis auf deinen Grund

meine Seele – ein Windhauch nur, im Schilf –
lege ich dir zu Füßen, See
heute mit deinem Glanz

Morgen schon, Herbst,
hängst du die letzten gelben Blätter ab
und die Tage wie Wäsche zusammen,
glattgestrichene Tagesstapel

die Stille wird auf sie regnen und die Blätter
mit ihrem letzten Gelb

herausziehen werde ich sie einzeln und
durcheinandererinnern

Still liegt der See im November
still auf dem Grund
der Erinnerung

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[Es ist Sommer, ich weiß. Das zugrundeliegende Fragment von 2008 schrie allerdings nach Bearbeitung..]

Ahornbäume gegenüber II (2014)

Euer Grün!
in Frohsinn getaucht,
perlt gegen mein Herz

euer Schönstes
haltet ihr dem Himmel entgegen

so vertrauensvoll
wie der Augenaufschlag kleiner Kinder
am Morgen

frohsinngetränktes Grün
millimetergenau verwurzelt
zwischen Ecken und Kanten im
engen häßlichen Häuserwald
zufrieden dort

mein Herzschlag geht jetzt
im Takt eures Frohsinns
er kippt in meinen Atem hinein
so erstaunt mich das

Stecke den Anblick schnell in die Hosentasche
verstehe plötzlich

wo du gerade bist
schlage deine Wurzeln
in das Jetzt mein Herz
möge dein Schönstes dem Himmel gelten

Winzige Begegnung (2014)

Ein Käfer landet in meinem Notizbuch
von den Worten weiß er nichts
mit seinen flinken Beinchen krabbelt er rasch über den Himmel
weiter über das Grün
über Ecken und Kanten biegt schräg ab auf den
Augenaufschlag kleiner Kinder macht einen Umweg durch
den engen Häuserwald
auf meinem Herzschlag hebt er ab
durchfliegt meinen Atem mit seiner
tausendfach schnelleren Tracheenatmung und
landet auf der leeren Seite nebenan
dass darauf unsere Begegnung einmal geschrieben stehen wird
ahnt er nicht als er zurück in sein Käferleben fliegt um
wenig später aus meinem Wasserglas gerettet zu werden
winziges leben
wie schnell wohl sein Herzschlag ging

Für M., der vor kurzem ging (version 11, 2016)

Während der Frühling
mit erröteten Wangen an die Bäume herantrat
und in die Hände spuckte

da waren es deine Augenlider
die der Herbst deines Blickes wurden,
sie wischten über ihn hinweg

nie verschüttetest du deinen Humor, du
hieltest ihn hoch bis

nur dein Lebendiges scheute plötzlich
vor dir zurück

Du aber lachtest, als deine Beine
keine Treppen mehr steigen konnten
das fandst du ungeheuer komisch

Als die Sonne
unter deinen Wimpern erlosch
stieg sie weit hinauf ins schmerzlose Blau
der Osternacht,
entzündete die honigfarbene Dämmerung
über den Dächern der Stadt,
neigte sie ihre Güte herab und striff
über deiner Kinder Blondschöpfe hinweg

sie winkten dir nachhaus